top of page

was Kinder mit ihrem auffälligem Verhalten zeigen

10. Apr.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Sept.


Kinder mit auffälligem Verhalten


Kinder nehmen mehr wahr, als Erwachsene glauben.

​​

Kommt der Begriff "verhaltensauffällig" ins Spiel, überschlagen sich die Gedanken und Fragen der Eltern:

"Warum? Was stimmt nicht mit meinem Kind?"

"Was soll ich tun?"

"Wohin soll ich mich wenden?"

"Wer kann man meinem Kind helfen?"




VERHALTEN WIRD ZUR SPRACHE

In meiner Arbeit erlebe ich:

Häufig ist der Fall, dass die Kinder mit ihrem Verhalten auf familiäre Spannungen reagieren, die für sie zu belastend sind. Und das ist erstmal "gut so".

Doch: wenn das Kind re-agiert, sollte die Fragen lauten:

Worauf?


Betrachtet man nämlich die "Reaktionskette" im Hintergrund, stellt sich das Verhalten nicht selten als "nachvollziehbar" heraus.


Zum Glück. Denn das bedeutet, man kann das Verhalten indirekt "beeinflussen" und einem Kind helfen kann, welches sich über "Verhaltensauffälligkeiten" ausdrückt.



WENN DIE URSACHE NICHT IM KIND LIEGT

Eltern, die sich mit diesem Thema beschäftigen, versuchen alles in ihrer Macht stehende zu tun. Infos sammeln, sich belesen, Experten zu Rate ziehen, mögliche Tipps umsetzen, Meinungen und vielleicht sogar Gutachten einholen.

Es ist super, dass ihr aufmerksam seid und das Beste für euer Kind möchtet.


Und was, wenn es keine Anhaltspunkte gibt und ärztlich alles in Ordnung ist?

Dann schauen wir nach der Ursache, die unberührt bleibt.


Der ein oder andere Elternteil ist sich vielleicht schon bewusst, dass es etwas geben könnte, was das emotionale Umfeld des Kindes nicht fördert.

Doch mit der guten Absicht erst dem Kind zu helfen und die Verhaltensauffälligkeit anzugehen, wird der Fokus von der eigentlichen familiären oder dysfunktionalen Ursache auf das Kind verlagert. Auf das Kind was ohnehin schon "zu viel trägt" und nun durch seine eigene "Sprache" in den Mittelpunkt der Spannungen gerät.

Weitere belastende Verwirrung für das Kind, denn es erfährt, dass es falsch ist und missverstanden wird.


Harte Worte? - Ja.

Leichtfertig daher gesagt? - Nein.



WAS KINDER IM FAMILIENSYSSTEM WAHRNEHMEN

und was Eltern tun können?

Gehen wir an die Anfangsfrage zurück, was Kinder eigentlich zeigen.

Das ist ein konkreter Ansatzpunkt und Hinweisgeber.


Kinder reagieren auf anhaltende Spannungen, die ein Elternteil oder beide in sich tragen. Belastendes in der Familie spüren sie, genauso wie unausgesprochene teils unbewusste Konflikte und sogar Auswirkungen der elterlichen Prägung. Auch wenn Eltern sagen "es ist alles gut" oder davon ausgehen, dass die Kleinen nicht wissen oder verstehen.... Doch, sie tun es. Vielleicht (noch) nicht im Verstand, aber im Gefühl.

Sie fühlen sich womöglich verantwortlich, schuldig, verraten oder fehl am Platz. Ungerecht behandelt, nicht verstanden oder einfach halt- und hilflos .



Es kann sein, dass der familiäre Alltag durch Druck und Ängste bestimmt ist oder Unsicherheit bei den Eltern, Machtkämpfe oder ständige Uneinigkeit herrschen.


In manchen Familien sind Themen unbewusst präsent, die schon länger von der gesamten Familie (auch der Oma-Opa-Generation) getragen werden. Es gibt womöglich Ungerechtigkeiten. Schockmomente und unverarbeitete Erfahrungen im Familienkollektiv.


Gleichzeitig zeigen Kinder durch ihre Sprache auch "sehr direkt", wenn ihnen etwas zu viel geworden ist oder eigene nicht verarbeitbare Erfahrungen in den Erinnerungen präsent sind.




WENN KINDER ZUVIEL TRAGEN

Und ja - manche Situationen oder Begebenheiten lassen sich nicht ändern. Eine Trennung, ein Verlust. Schicksalsschläge, finanzielle Sorgen....

Oder, wenn ein Elternteil nicht bereit ist, die eigene emotionale Verfassung zu reflektieren. Die Last und Verantwortung obliegt dann einem Elternteil allein. Das macht es noch herausfordernder. Für Eltern und Kind.


Besorgte Eltern sind oftmals in ihrem Alltag aus Verantwortung, Organisation und ihren eigenen Themen gedanklich zu "gefangen" und beschäftigt

Die Perspektive des Kindes geht manchmal - ohne böse Absicht - einfach unter. Und das ist in stressigen Momenten verständlich!




LOYALITÄT, VERANTWORTUNG UND FREMDE ROLLEN

Ein weiterer wichtiger Punkt liegt in der Loyalität des Kindes zur Familie.

Kinder fühlen sich ihren Eltern und ihrer Familie zugehörig und "müssen" das unter Beweis stellen..


Wenn sie spüren, dass etwas fehlt oder ein Elternteil emotional nicht wirklich erreichbar ist, beginnen sie, diese Lücke zu füllen. Sie rutschen in Rollen, die nicht zu ihnen gehören, und übernehmen Verantwortung, die sie nicht tragen können. Sie passen sich an. Sie tragen mit und fühlen Dinge, die eigentlich nicht zu ihnen gehören.

Es passiert, dass sie ausgleichen. Für die Eltern und gegen die Spannungen in sich selbst.

​​​



GEFÜHLE HABEN KEINE WORTE

Die Schwierigkeit ist, dass auf mehreren Ebenen gleichzeitig etwas "geschieht" und die Kinder vieles wahrnehmen. Da allerdings das verbale Ausdrucksvermögen fehlt, um die Eindrücke und Empfindungen, oder gar Belastungen mitzuteilen, bleibt Ihnen nur die emotionale Ebene, ihr Verhalten.


Wenn ein Kind nicht sagen kann: „Ich fühle mich verantwortlich.“ „Ich weiß nicht, wem ich glauben darf.“ „Ich habe Angst, jemanden zu enttäuschen.“ „Ich verstehe nicht, warum es bei uns so angespannt ist.“ dann findet dieses Erleben manchmal einen anderen Ausdruck.



Beispiel 1

Kinder mit auffälligem Verhalten


WUT UND LÜGEN

Ein Kind erlebt anhaltende Unstimmigkeiten und Konflikte zwischen den Eltern. Es befindet sich plötzlich zeitweise mittendrin und wird zum "Streitgegenstand", da es unter anderem um Schulleistungen und die Erziehung geht.

Zusätzlich wird es mit Unehrlichkeit zwischen Mama und Papa konfrontiert: "Erzähl es nicht weiter".

Dadurch verspürt es selbst große innere Konflikte.

Die vermittelten Werte und Handlungen sind nicht einheitlich.

Woher soll es wissen, was richtig oder falsch ist?

Darf es nun lügen, und wenn ja, wann?

Welchem Zweck dient das Lügen?

Und warum sagt der eine, man darf nicht lügen, während der andere ständig schummelt oder verschweigt?


WENN EIN KIND ZWISCHEN DEN ELTERN STEHT

Dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen Mama und Papa, das Gefühl, gezwungen zu sein, Partei zu ergreifen und sich gegen den anderen zu stellen....

Das Kind liebt nämlich beide Elternteile, gerät jedoch in den Konflikt, sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Spätestens dann, wenn es "ein Geheimnis" nicht weitersagt, um eine Lüge nicht aufzudecken, entscheidet es sich ungewollt gegen einen Teil. Was wird das Kind innerlich ertragen müssen?


Zuhause verschärft sich die Lage im Kind mit jeder Wiederholung. Es wird wütend.

Das Kind wird wütend auf denjenigen, der lügt, weil er lügt.

Auf denjenigen, der belogen wird, weil er derjenige ist, vor dem das Kind die Wahrheit verbergen soll.

Und auf sich selbst, weil es etwas tut, das es nicht will, mit Konsequenzen, die es sich nicht ausgesucht hat. Egal, was es täte, es würde einen von beiden enttäuschen. Eine Situation, in der es emotional nur verlieren kann.


Irgendwann erreicht die Wut einen Punkt, an dem sie ein Ventil benötigt.

Dies kann sowohl in der Familie als auch nach außen geschehen:

  • Respektlosigkeit und Widersetzlichkeit (unbewusst gegen denjenigen gerichtet, der lügt bzw. verheimlicht)

  • absolute Ablehnung (unbewusst gegenüber demjenigen, der belogen wird)

  • allgemeine Wut, die einen Kanal findet (unbewusst in Form von Lernschwierigkeiten, Beschimpfungen, Provokationen, Prügeleien, Wutausbrüchen)

  • und Lügen, da es scheinbar akzeptabel ist, um eigene Vorteile zu erlangen (Kompensationen)


Und das Kind kann nicht erklären, warum das so ist, was passiert oder was es fühlt. Es kann nur durch sein Verhalten aufmerksam machen und die Widersprüche zum Ausdruck bringen.



Beispiel 2

Kinder mit auffälligem Verhalten


ROLLENTAUSCH

Ein anderes Kind bemerkt unbewusst, dass die Mutter stark mit der Oma verstrickt ist und unselbstständig ist. Die Mutter kann nur schwer Prioritäten setzen und tanzt auf "vielen Hochzeiten" gleichzeitig.


Früher, als die Mutter selbst noch ein Kind war, hatte sie in der Familie eine bestimmte "Aufgabe" und auch heute lässt sie sich teilweise von der Oma fremdbestimmen.

Die Mutter kann schwer selbst entscheiden und fragt gerne erst einige andere, bevor sie sich unsicher festlegt.


Systemisch betrachtet, erfüllt das Kind eine ähnliche "Aufgabe" in der Familie.


WENN DAS KIND DIE FÜHRUNG ÜBERNIMMT

Das Kind ist recht erwachsen, fällt in der Schule nicht auf, nur zuhause.

Es gibt oft "klärende" Ansagen, lässt sich nicht bremsen und zeigt ein bestimmendes, den Takt angebendes Verhalten. Das Kind lässt sich schwer steuern oder eingrenzen, widersetzt sich pausenlos und "weiß es besser".




Was lernen wir daraus?

Das eigentliche Problem hinter dem Verhalten eines Kindes kann auf mehreren Ebenen liegen.

Einerseits in seiner noch begrenzten Fähigkeit, Situationen und Erlebtes einzuordnen und zu verarbeiten.

Andererseits in der gefühlten "Verpflichtung", Aufgaben zu übernehmen, mit denen sich Erwachsene schwer tun.


Und dazwischen:

Die Tatsache, dass sie all das nicht in Worte fassen können, was sie wahrnehmen, was sie belastet oder was in ihnen vorgeht. Ist die Kapazität in den Kindern "voll", zeigt sich durch ihr Handeln, was sich angesammelt hat und unsortierbar geworden ist.


​

CHAOS ALS AUSDRUCK

So paradox es sich anhört: Sie drücken Chaos aus - unterbewusst - um mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben.​


Verhalten kann dann zur Sprache werden. Deshalb lohnt sich die Frage:

Was versucht mein Kind mit seinem Verhalten sichtbar zu machen?




MOVE ELTERNKURS

neue Orientierung

Um die Eltern dabei zu begleiten, genau diese Spannungsfelder zu lösen, in denen das Kind die emotionale Orientierung verliert, habe ich den MOVE Elternkurs entwickelt.

Auch eine einzelne Aufstellung kann Impulse geben und eine andere Sicht auf die eigene Situation ermöglichen.Auch eine einzelne Aufstellung kann Impulse geben und eine andere Sicht auf die eigene Situation ermöglichen.


Denn wenn die Ursache der Auffälligkeit nicht im Kind liegt, greift jede Veränderung, die ausschließlich am Verhalten des Kindes ansetzt, zu kurz.




​​​

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

neue Beiträge • verpasse nichts Neues

Praxis für Familienaufstellung, Hilfe bei Panik und Eltern mit auffälligen Kindern

iLONA HELMEDACH

PRAXIS FÜR SYSTEMISCHE PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

psychologische Beratung • Familienaufstellung • Systemcoaching • Hypnose

  • LinkedIn
  • Facebook

Tel: 0176 7289 2433 ​· Westerwaldstr. 7 · 65614 Beselich

© 2017–2026 Ilona Helmedach · Alle Rechte vorbehalten

Impressum | Datenschutz | AGB

bottom of page