Was hinter Panikattacken steht
Aktualisiert: 17. Sept.
PANIK
Kleines Wort, mit unvorstellbarer Bedeutung.
Dieser Beitrag ist auch zum Weiterleiten gedacht. Wenn es dir schwerfällt, Angehörigen, Freunden oder deinem Partner zu erklären, was während einer Panikattacke in dir passiert, schick ihnen diesen Artikel. Verstehen können Außenstehende das Erleben vielleicht nie vollständig. Verständnis dafür aufbringen schon. Denn während einer Panikattacke befindet sich der Betroffene in einem körperlichen und psychischen Ausnahmezustand. Die Panik wird nicht bewusst ausgelöst und lässt sich in diesem Moment auch nicht einfach mit Vernunft oder Willenskraft abstellen. Herzrasen. Luftnot. Schwindel. Zittern. Übelkeit. Brustenge. Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder sogar zu sterben. Für den Menschen, der daneben steht, besteht womöglich gerade keine erkennbare Gefahr. Für den Menschen in der Panik fühlt sich das vollkommen anders an. Sein Körper befindet sich im Alarmzustand. Deshalb hilft es wenig, ihm in diesem Moment zu erklären, dass doch eigentlich gar nichts passiert.
Menschen die immer wieder von Panikattacken heimgesucht werden, haben sich mit der Zeit einiges über Vagusnerv, Atemtechnik, Mineralstoffmangel, Affirmationen, Hormonelle Entgleisungen durchgelesen... all die Dinge, auf die man bei Recherchen stößt, wenn man versucht herauszufinden: was ist mit mir los?
EINE WEITERE SICHT FEHLT MEISTENS DABEI
Als Systemikerin habe ich gelernt, die Dinge in einem anderen Zusammenhang zu betrachten. Die verschiedenen Ebenen zu verknüpfen. Die körperliche, die emotionale, die bewusste und unbewusste, das Mentale, das Psychische, das Vergangene, Gegenwärtige oder Zukünftige.
Alles hängt "irgendwie" zusammen und nichts existiert allein in unserem Körper oder den Gedanken.
Alles bildet ein System... Es bildet dich.
WENN DU DANEBEN STEHST Eine Panikattacke ist kein Moment für Diskussionen. Der Betroffene braucht Orientierung und Sicherheit: Bleib ruhig. Sprich langsam. Bleib da, wenn deine Nähe gewünscht ist. Sätze wie „Beruhig dich“, „Da ist doch gar nichts“ oder „Du steigerst dich da rein“ helfen selten weiter. Sie können eher zusätzlich das Gefühl erzeugen, dass mit dem eigenen Erleben etwas falsch ist. Hilfreicher können einfache, klare Sätze sein: „Ich bin da.“ „Du bist nicht allein.“ „Wir warten zusammen, bis es vorbei ist." Reduziere nach Möglichkeit Reize und zusätzlichen Druck. Und wenn die Beschwerden erstmalig auftreten, ungewöhnlich stark sind oder körperlich nicht eindeutig eingeordnet werden können, verständige medizinische Hilfe. Wenn du diesen Artikel als Angehöriger oder Nahestende/r liest, musst du die inneren Zusammenhänge nicht vollständig nachvollziehen können. Entscheidend ist zu verstehen: Die Reaktion ist für den Betroffenen real, körperlich spürbar und in diesem Moment nicht einfach steuerbar.
DER KÖRPER REAGIERT NICHT OHNE GRUND
Aus meiner Erfahrung mit Betroffenen heraus, lässt sich eine Gemeinsamkeit formulieren:
So seltsam und abneigend sich das anhören mag, die Panik kommt nicht grundlos.
Sie ist eine körperliche Reaktion auf emotionale Erinnerungen.
Und der Körper erinnert daran.
Ja, der Körper erinnert sich, wenn du selbst es nicht kannst.
Er reagiert auf emotionale Angelegenheiten die dir nicht (mehr) bewusst sind. Auf verdrängte, vergessene nicht bearbeitete Dinge, die im wahrsten Sinne noch in den Knochen stecken. Körper und System vergessen nicht.
Es bedeutet nicht, dass jede Panikattacke auf dasselbe zurückzuführen ist. Es bedeutet für mich, dass es sich lohnt, genauer hinzusehen, statt die Reaktion als „übertrieben“ abzutun.
Panik, die plötzlich "einfach so" über einen hereinbricht, kann eine Reaktion auf eine innere Überlastung sein. Manche Betroffene ahnen sogar, welches Thema damit verbunden sein könnte. Andere haben überhaupt keine Erklärung dafür.
So oder so scheint das Thema so fest zu sitzen, dass es bisher noch keinen endgültigen Weg heraus gefunden hat.
| Parallel zu Selbstentwicklung ist es wichtig, organische und ggf. psychiatrische Ursachen ärztlich abzuklären, um Fehlfunktionen oder unentdeckte Krankheiten auszuschließen. Dafür dient dein Hausarzt als erste Anlaufstelle. Dieser Artikel bezieht sich auf meine Erfahrungen der systemischen Arbeit und ersetzt keine Untersuchungen. |

IST DIE PANIK EIN HINWEIS?
In den Momenten, in den denen sich alles verselbständigt und man das Gefühl hat, die komplette Kontrolle zu verlieren, ist der Gedanke schwer vorstellbar.
Und trotzdem gilt für viele:
Die Panik kämpft nicht gegen dich, sondern für dich.
Die Reaktion des Körpers fühlt sich vollkommen überzogen an, aber was, wenn es aus der inneren "Alarm-Logik" heraus, Sinn ergibt?
Ein Teil von dir möchte, dass es dir gut geht. Ein anderer Teil trägt womöglich all die Dinge mit sich, die zu schwer geworden sind. Erfahrungen, Belastungen oder Gefühle, die bisher keinen guten Platz gefunden haben.
Für Angehörige und Nahestehende bedeutet das auch: Hinter der Panik kann mehr liegen als das, was von außen sichtbar ist. Druck, Diskussionen oder gut gemeinte Ratschläge erreichen deshalb oft nicht die Stelle, an der die eigentliche Belastung sitzt.
WISSEN ALLEIN GENÜGT MANCHMAL NICHT
Sie sind nicht weg oder nicht mehr aktiv, weil du nicht mehr erinnerst. Auch dann nicht, wenn du es ja schon "weißt".
Es kann unweigerlich zu einer Kettenreaktion in dir kommen, wenn diese angedockt oder getriggert werden.
Manchmal sofort ohne Vorwarnung, manchmal mit Zeitverzögerung wenn du "Ruhe hast".
Dein System kompensiert selbständig, wenn es überfordert ist. Es übernimmt die Steuerung und entzieht dir die Kontrolle.
Wie ein Erdbeben, das erst die Kruste an der Oberfläche aufbrechen lässt und dann den Vulkan zum Ausbruch bringt.
Die Panik ist das Ventil eines inneren Feuers.
ES GIBT WEGE
Sinnvoll ist, dass du mit der Panik arbeitest, wenn sie "friedlich" ist und nicht gerade aufgetreten ist.
Der Dauerzustand der ständigen Alarmbereitschaft, Ablenkung, Vermeidung, dieses ständige Angespannt sein..... Das muss keine Gewohnheit werden.
Du kannst - so abstrus es klingt - die Sprache deiner Panik lernen und sie etwas besser verstehen. Bzw. dich selbst, denn sie drückt für dich etwas aus, oder anstelle von dir.
Finde heraus, was dahinter stecken könnte und dir schadet.
Wichtig:
Die Panik zeigt dir Zusammenhänge auf, die du vielleicht längst vergessen hast, die aber für dein Leben eine Rolle spielen.
EIN DOPPELTER TEUFELSKREIS
Die Vermeidungsstrategien, die eigentlich verhindern sollen, dass die nächste Panikattacke entsteht, feuern den Teufelskreis womöglich mehr an, bis letztlich deine Gedanken allein Auslöser sein können und Angst vor der Panik hinzukommt.
Du zweifelst an dir, weil du die Panik nicht kontrollieren kannst. Dabei kann hinter der Reaktion ein System stehen, das auf etwas aufmerksam macht, was bisher noch keiner gesehen hat. Ab sofort musst du dich nicht länger fragen, was mit dir nicht stimmt. Die Antwort ist: du steckst in einem doppelten Teufelskreis fest:
Dein System ruft mit der Panikattacke nach Hilfe. Und du wegen der Panikattacke.
Schaue - ggf. mit professioneller Begleitung - nach dem, was noch nicht vollständig verarbeitet oder eingeordnet ist.
Dann kann sich etwas Wesentliches verändern:
Du kämpfst nicht länger dagegen, du arbeitest für dich.
BACK TO LIFE
Ein Workshop mit intensiver Begleitung
Für Menschen, die ihre Panik tiefer verstehen möchten und mit Standardverfahren nicht weiterkommen.
Es geht um das, was bisher vielleicht noch nicht angeschaut wurde: Zusammenhänge hinter der Panik, persönliche Auslöser, wiederkehrende Muster und die Frage, warum dein System Alarm schlägt.
Denn manchmal beginnt Veränderung dort, wo die bisherigen Erklärungen aufgehört haben.




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